In der Praxis, die auf unserer eigenen Erfahrung beruht, können wir sagen: Ich bin beim Transzendieren! Wir erfahren Transzendentales Bewusstsein, aber wir wissen in diesem Stadium noch nicht, wie das Transzendentales Bewusstsein sein wird, wenn wir alle Stresse gelöst haben werden. Dieses wird noch kommen. Dann wird der Atem wirklich aufhören, zu kommen und zu gehen. Auch die Stoffwechselrate wird nicht mehr benötigt werden, da in diesem Zustand des Bewusstseins keine Individualität benötigt wird. Aber solange noch Nebel da ist, wenn auch nur 0,0001% individueller Nebel, muss dieser Prozentsatz an Atem aufrechterhalten bleiben. Wenn aber Transzendentales Bewusstsein erreicht ist, hat der Atem keinen Platz mehr, weil keine Individualität zurückgeblieben ist.
Nun, Sie brauchen sich nicht zu fürchten. (Lachen) In diesem transzendentalen Zustand ist alles Unbegrenztheit, Universalität, Unendlichkeit, keine Individualität. Aber dieses dauert nur eine Weile und dann werden wir die Individualität zurückerhalten. Dann wird auch der individuelle Atmungsprozess wieder einsetzen.
Nun entwickelt sich aber Transzendentales Bewusstsein in Kosmisches Bewusstsein: Damit im Kosmischen Bewusstsein die Individualität aufrechterhalten bleibt, wird der Atem weitergehen und die Stoffwechselrate wird weiter gehen. Da aber diese unbegrenzte Bewusstheit auf der Ebene des Geistes stabilisiert ist, wird der Körper die Rolle einer Nicht-Stoffwechselrate zusammen mit etwas Stoffwechselrate annehmen. Der Geist muss in diesem Zustand des Kosmischen Bewusstsein einen dualistischen Aspekt haben: zwei Seiten einer Münze. Der Geist ist aktiv und still. In diesem Zustand nimmt die Stoffwechselrate ein bestimmtes Muster an, indem sie unbegrenzte Bewusstheit natürlich zusammen mit Begrenzungen des Bewusstseins aufrechterhält.
Nun, wie ist der spezifische Zustand der Stoffwechselrate? Er ist nicht viel anders, als die normale Stoffwechselrate sogar in Zustand der völligen Unwissenheit des Menschen. Dies ist sehr sehr interessant. Was passiert nun in diesem Zustand der Unwissenheit, wenn jemand nicht meditiert und nicht weiß, was Unbegrenztheit ist und SELBSTbewusstsein nicht kennen gelernt hat? In diesem gewöhnlichen Zustand des Bewusstseins werden gleichzeitig zwei Ebenen des Bewusstseins aufrechterhalten. Die Eigenschaft der Stoffwechselrate besteht nun darin, dass sie fähig ist, gleichzeitig viele Ebenen des Bewusstseins, eine in der anderen, aufrechtzuerhalten.
Das Kind läuft umher und ist Zeuge des Wissens tief in sich: Mutter ist zu Hause. Wir haben hier also zwei Ebenen des Bewusstseins nebeneinander: Das Kind läuft umher und möchte spielen; und dann tief darunter: Mutter ist zu Hause. Niemand kann ihm etwas tun, es hat diese Sicherheit. So haben wir immer zwei Ebenen des bewussten Geistes nebeneinander, die eine tiefer, die wir die Ebene des Fühlens nennen können – um ihr einen separaten Namen zu geben – und die andere Ebene des Denkens. Diese zwei Ebenen des Bewusstseins sind immer da.
Nun, was passiert, wenn im Kosmischen Bewusstsein diese Unbegrenztheit ständig aufrechterhalten bleibt? Es ist dieselbe Ebene des Bewusstseins: Mutter ist zu Hause; die Ebene der Sicherheit. Unterhalb dieses Fühlens: Mutter ist zu Hause, ist die unbegrenzte Bewusstheit. Sie ist in der Tiefe des bewussten Geistes und auf dieser Basis der unbegrenzten Bewusstheit zeigt sich maximale Schöpferische Intelligenz auf der Ebene des bewussten Geistes. Man tut dies und jenes und denkt dieses und jenes, aber alles Denken, alles Handeln geschieht mit maximaler Schöpferischer Intelligenz, weil unendliche Sicherheit verfügbar ist in dieser Tiefe des Bewusstseins. Die Stoffwechselrate dient also in jeder Situation der spontanen Aufrechterhaltung von zwei Ebenen des Bewusstseins, der Bewußtseinsebenen an der Oberfläche und in der Tiefe. So ist es auch im Kosmischen Bewusstsein, nur dass die Qualität der tieferen Ebenen sich ändert. Bis zur Erreichung des Kosmischen Bewusstsein unterliegen diese tieferen Ebenen ständigen Veränderungen. Manchmal ist Mutter zu Hause, manchmal ist sie nicht da, manchmal ist sie ärgerlich, manchmal ist sie glücklich. Dies alles ist veränderlich. Aber die Stoffwechselrate ist jederzeit fähig, zwei Bewußtseinsebenen zu bewahren. Dies bedeutet, dass das Nervensystem so konstruiert ist, dass es in der Lage ist, zwei Bewußtseinsebene zu handhaben. – Später, wenn die Zeit reif ist, werden wir herausfinden, wie viele noch.Aber wenigstens zwei Bewusstseinsebenen, eine an der Oberfläche des denkenden Geistes, die andere an der Tiefe des bewussten Geistes, welcher das oberflächliche Denken kontrolliert, kann die Stoffwechselrate aufrechterhalten. So auch die zwei Ebenen des Kosmischen Bewusstsein., die eine unbegrenzte Bewusstheit und die andere diesen lokalisierten Wert der Wahrnehmung, Handlung usw. Es passiert also nichts grundsätzlich Neues, nur die Qualität der Stoffwechselrate verändert sich analog der Bewusstseinsebenen.
Wenn die unbegrenzte Bewusstheit zusammen mit den Wach-, Traum- und Schlafzuständen des Bewusstseins existiert, d.h. die Zustände des Geistes, Intellekts und Gefühls sich fortlaufend verändern und diese nichtvariable Struktur der unbegrenzten Bewusstheit dauerhaft wird, dann wird die Stoffwechselrate dieselbe bleiben, nur mit einem unterschiedlichen Wert. Dieses Verstehen wird aus unserem Geiste irgendwelche mystischen oder imaginären Vorstellungen darüber beseitigen, wie die Stoffwechselrate in der Lage sein kann, gleichzeitig zwei Bewusstseinsebenen aufrechtzuerhalten, nichtwechselnd und wechselnd, unbegrenzt und begrenzt. All diese Fragen sind damit gelöst. Der menschliche Stoffwechsel ist ein solcher Prozess, welcher spontan dem Geist erlaubt, zwei Bewusstseinsebenen zu haben, eine sehr aktiv, die andere sehr ruhig unterhalb dieser aktiven. Nur ist die Stille in einem Zustand variabel, während sie im Kosmischen Bewusstsein den Zustand der unveränderlichen Natur erreicht.
Solange Kosmischen Bewusstsein noch nicht erreicht worden ist, d. h. in Bezug auf den Körper, solange alle Stresse noch nicht gelöst worden sind, wird das individuelle Leben noch nicht vollständig auf der Ebene des kosmischen Lebens sein. Die Stresse verbieten der Individualität, kosmische Realität zu erreichen, d. h. Unbegrenztheit. Solange also noch Stresse vorhanden sind, werden wir beim Transzendieren kein reines Transzendentales Bewusstsein erreichen, sondern nur nebelhaftes reines, transzendentales Bewusstsein. Es ist schon unbegrenzt, aber noch etwas nebelhaft, nicht klar. Je weiter die Stresse gelöst werden, um so durchdringender wird auch das reine Bewusstsein sein, die Qualität wird wechseln.
Wir nennen deshalb die Transzendentale Meditation auch nicht „Nebelhafte Transzendentale Meditation“, sondern wir halten den Namen intakt, weil wir wissen, dass die Qualität der transzendenten Struktur dem Wechsel unterliegt, solange eine Veränderung noch möglich ist. Wenn die transzendente Struktur sich nicht mehr verändert, hat sie ihren letzten Wert, d.h. wahre reine Unbegrenztheit des Lebens, erreicht. Dies nennen wir den Zustand des Kosmischen Bewusstseins, in welchem individuelles Leben aufrechterhalten bleibt und kosmische Realität des Lebens nicht verloren ist. Der Ozean wird nicht verloren sein und die Wellen werden sich an der Oberfläche erfreuen. Beides wird zugleich vorhanden sein: Die Wellen an der Oberfläche werden dem Ozean nicht seine Realität rauben. So wird das relative Leben nicht den unendlichen Wert der absoluten Existenz rauben. Beides, das Relative und das Absolute, wird zusammen vorhanden sein.
Wir brauchen uns nur größere Grade der Ruhe zu geben durch regelmäßige Praxis der Meditation und, wenn immer eine Chance besteht, längere Perioden fortgesetzter Ruhe.
RAMANA MAHARSHI zur Rolle des Atems
aus: Self Enquiry (Vicharasangraham)
19
D: Although I have listened to the explanation of the characteristics of enquiry in such great detail, my mind has not gained even a little peace. What is the reason for this?
M: The reason is the absence of strength or one-pointedness of the mind.
20
D: What is the reason for the absence of mental strength?
M: The means that make one qualified for enquiry are meditation, yoga, etc. One should gain proficiency in these through graded practice, and thus secure a stream of mental modes that is natural and helpful. When the mind that has in this manner become ripe, listens to the present enquiry, it will at once realize its true nature which is the Self, and remain in perfect peace, without deviating from that state. To a mind which has not become ripe, immediate realization and peace are hard to gain through listening to enquiry. Yet, if one practices the means for mind-control for some time, peace of mind can be obtained eventually.
21
D: Of the means for mind-control, which is the most important?
M: Breath-control is the means for mind-control.
22
D: How is breath to be controlled?
M: Breath can be controlled either by absolute retention of breath (kevala-kumbhaka) or by regulation of breath (pranayama).
23
D: What is absolute retention of breath?
M: It is making the vital air stay firmly in the heart even without exhalation and inhalation. This is achieved through meditation on the vital principle, etc.
24
D: What is regulation of breath?
M: It is making the vital air stay firmly in the heart through exhalation, inhalation, and retention, according to the instructions given in the yoga texts.
25
D: How is breath-control the means for mind-control?
M: There is no doubt that breath-control is the means for mind-control, because the mind, like breath, is a part of air, because the nature of mobility is common to both, because the place of origin is the same for both, and because when one of them is controlled the other gets controlled.
26
D: Since breath-control leads only to quiescence of the mind (manolaya) and not to its destruction (manonasa), how can it be said that breath-control is the means for enquiry which aims at the destruction of mind?
M: The scriptures teach the means for gaining Self-realization in two modes - as the yoga with eight limbs (ashtanga-yoga) and as knowledge with eight limbs (ashtanga-jnana). By regulation of breath (pranayama) or by absolute retention thereof (kevala-kumbhaka), which is one of the limbs of yoga, the mind gets controlled. Without leaving the mind at that, if one practises the further discipline such as withdrawal of the mind from external objects (pratyahara), then at the end, Self-realization which is the fruit of enquiry will surely be gained.
OBEISANCE
May the Feet of Ramana, the Master, who is the great Shiva Himself and is also in human form, flourish for ever!
RAMANA MAHARSHI zur Rolle des Atems
aus: Selbsterforschung (Vicharasangraham)
19 D: Obwohl ich die Erklärung der Merkmale der Forschung so detailliert angehört habe, hat mein Geist nicht einmal ein wenig Frieden gefunden. Was ist der Grund dafür? M: Der Grund ist das Fehlen von Stärke oder Einpunktigkeit ("one pointedness") des Geistes.
20 D: Was ist der Grund für das Fehlen geistiger Stärke? M: Die Mittel, die einen für eine Untersuchung qualifizieren, sind Meditation, Yoga usw. Man sollte diese durch abgestuftes Üben beherrschen und so einen natürlichen und hilfreichen Strom von mentalen Modi sichern. Wenn der Geist, der auf diese Weise reif geworden ist, auf die gegenwärtige Frage hört, wird er sofort seine wahre Natur, das Selbst, erkennen und in vollkommenem Frieden bleiben, ohne von diesem Zustand abzuweichen. Für einen Geist, der noch nicht reif geworden ist, sind unmittelbare Erkenntnis und Frieden schwer zu gewinnen, indem man Fragen hört. Wenn man jedoch eine Zeit lang die Mittel zur Gedankenkontrolle praktiziert, kann schließlich Seelenfrieden erreicht werden.
21 D: Von den Mitteln zur Gedankenkontrolle, welches ist das wichtigste? M: Atemkontrolle ist das Mittel zur Gedankenkontrolle.
22 D: Wie soll der Atem kontrolliert werden? M: Der Atem kann entweder durch absolute Atemhaltung (kevala-kumbhaka) oder durch Atemregulation (pranayama) kontrolliert werden.
23 D: Was ist die absolute Atemhaltung? M: Es sorgt dafür, dass die lebenswichtige Luft auch ohne Ausatmen und Einatmen fest im Herzen bleibt. Dies wird durch Meditation über das Lebensprinzip usw. erreicht.
24 D: Was ist die Regulation der Atem? M: Es bedeutet, dass die lebenswichtige Luft durch Ausatmen, Einatmen und Zurückhalten fest im Herzen bleibt, gemäß den Anweisungen in den Yoga-Texten.
25 D: Wie ist Atemkontrolle das Mittel zur Gedankenkontrolle? M: Es besteht kein Zweifel, dass Atemkontrolle das Mittel zur Gedankenkontrolle ist, denn der Geist, wie der Atem, ist ein Teil der Luft, weil die Natur der Mobilität beiden gemeinsam ist, weil der Ursprungsort für beide derselbe ist und weil, wenn einer von beiden kontrolliert wird, der andere kontrolliert wird.
26 D: Da Atemkontrolle nur zur Ruhe des Geistes (Manolaya) führt und nicht zu seiner Zerstörung (manonasa), wie kann man dann sagen, dass Atemkontrolle das Mittel zur Untersuchung ist, das auf die Zerstörung des Geistes abzielt? M: Die Schriften lehren die Mittel zur Selbstverwirklichung in zwei Modi – als Yoga mit acht Gliedern (Ashtanga-Yoga) und als Wissen mit acht Gliedern (Ashtanga-Jnana). Durch die Regulierung des Atems (Pranayama) oder durch absolute Zurückhaltung davon (Kevala-kumbhaka), einem der Gliedmaßen des Yoga, wird der Geist kontrolliert. Ohne den Geist dabei zu lassen: Wenn man die weitere Disziplin wie den Rückzug des Geistes von äußeren Objekten (Pratyahara) praktiziert, dann wird am Ende sicherlich die Selbstverwirklichung, die die Frucht der Forschung ist, erreicht.
© 2015 Anke Beumann